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Beitrag vom 01.05.2026
Das 32. Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB)
AVIVA-Redaktion
Vom 5. bis 10. Mai 2026 lädt das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB) zum 32. Mal dazu ein, jüdische Perspektiven im Kino zu entdecken, vielfältig, international und aktueller denn je. Mit 60 Filmen aus 22 Ländern sowie zahlreichen Gästen und Gesprächen wird das Festival erneut zu einem zentralen Ort für Austausch und Begegnung.
Eröffnet wird das Festival am 5. Mai mit vier Kurzfilmen aus dem Kurzfilmprogramm NOSH NOSH. Die Reihe zeigt kurze, prägnante Geschichten mit großer Wirkung: In BESHERT prallen ein eigensinniger Senior und ein Junge kurz vor seiner Bar Mizwa aufeinander, während die weiteren Filme – THE HOLINESS, NO WITCHES IN THE VALLEY und SNIPPED – von religiösen Erwartungen, familiären Spannungen und persönlichen Entscheidungen erzählen, mal humorvoll zugespitzt, mal mit leiser Irritation und genauer Beobachtung.
Im Spielfilmwettbewerb versammelt das Festival eine breite Palette internationaler Perspektiven, so versteckt in MARIANA´S ROOM eine Sexarbeiterin im besetzten Czernowitz einen jüdischen Jungen in ihrem Zimmer, während FANTASY LIFE einen jungen kanadischen Mann begleitet, der nach Jobverlust und Panikattacken als Babysitter arbeitet und dabei eine vorsichtige Beziehung zu einer gescheiterten Schauspielerin entwickelt. Und in THE SEA irrt ein palästinensischer Junge nach einem Zwischenfall am Checkpoint allein durch Israel – auf der Suche nach dem Meer und einem Gefühl von Freiheit.
Auch im Dokumentarfilmwettbewerb zeigt sich die große thematische Bandbreite des JFBB, etwa in KNOW HOPE, in dem ein Street-Art-Künstler den öffentlichen Raum mit poetischen Aktionen in einen Ort des Widerstands verwandelt. OUT OF ORDER hingegen begleitet eine Frau, die nach dem Verlust ihres Partners ihre Trauer filmisch festhält, während THE STAMP THIEF einer Gruppe Drehbuchautor*innen folgt, die einer verschollenen Sammlung hinterherjagen und sich dabei zwischen Obsession, Humor und Erinnerung bewegen.
Weitere Filmreihen bringen zusätzliche Facetten und Erzählformen ins Programm. Zwischen Geschichte und Erinnerung bewegt sich KINO FERMISHED – etwa THE YEAR MY PARENTS WENT ON VACATION, in dem ein Junge während der WM 1970 in Brasilien plötzlich auf sich allein gestellt ist und sich zwischen politischem Umbruch und Fußballbegeisterung neu orientieren muss. Auch bereits preisgekrönte Werke wie SON OF SAUL werden hier im Kontext aktueller Debatten neu betrachtet.
Die Reihe THE OTHER ISRAEL richtet den Blick auf komplexe Lebensrealitäten jenseits gängiger Narrative: der Dokumentarfilm ON THIN ICE zeigt, wie eine junge drusische Eishockeyspielerin zwischen familiären Erwartungen und eigenen Zielen feststeckt, während SUN BAY eine kleine Gemeinschaft von Wohnwagenbewohner*innen am Rand der israelischen Gesellschaft begleitet. Der NORDIC JEWISH FOCUS wiederum erweitert den Blick geografisch und ergänzt das Programm um Perspektiven aus Nordeuropa.
Eine besondere Rolle kommt zudem Maria Schrader zu, dem Gesicht der diesjährigen Ausgabe. Neben der Präsentation ihres Films VOR DER MORGENRÖTE der das Exil Stefan Zweigs als fragmentarische Suche nach Heimat erzählt, ist sie auch am Samstag, den 9. Mai im Filmkunst 66 im Gespräch mit Programmdirektorin Lea Wohl von Haselberg zu erleben.
Zudem wird Maria Schrader im Rahmen des Filmbildungsangebots teilnehmen. Im Rahmen des 32. Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg (JFBB) richtet sich ein Filmbildungsprogramm an Schulklassen ab Jahrgangsstufe 9 sowie außerschulische Jugendgruppen. Gezeigt wird der vielfach ausgezeichnete Spielfilm AIMÉE & JAGUAR (Deutschland, 1999), ergänzt durch ein Filmgespräch mit Hauptdarstellerin Maria Schrader.
Der Film erzählt die bewegende Geschichte zweier Frauen im Berlin des Jahres 1943: Lilly Wust, Mutter und Trägerin des Mutterkreuzes, und Felice Schragenheim, eine jüdische Widerstandskämpferin, die unter falscher Identität lebt. Trotz der lebensgefährlichen Umstände entwickelt sich zwischen ihnen eine intensive Liebesbeziehung – geprägt von Mut, Geheimnissen und existenzieller Bedrohung.
Die literarische Vorlage von Erica Fischer basiert auf den Erinnerungen von Lilly Wust und gilt als bedeutendes Zeitzeugnis queerer Lebensrealitäten während der NS-Diktatur.
Vorführungstermine: Mittwoch, 6. Mai, 9:30 Uhr – Filmkunst 66, Berlin-Wilmersdorf und Freitag, 8. Mai, 10:00 Uhr – Filmmuseum Potsdam
Die Jury des Wettbewerbs Dokumentarfilm für die 32. Festivalausgabe (5.–10. Mai 2026):
Marina Chernivsky (Psychologin & Verhaltenswissenschaftlerin)
Marina Chernivsky ist Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin. Sie leitet das von ihr gegründete Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS) und ist Gründerin sowie Geschäftsführerin der Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung OFEK e.V.
Eytan Ipeker (Editor & Filmemacher)
Eytan Ipeker ist ein in Berlin lebender Editor und Filmemacher, dessen Arbeiten in Cannes, bei der Berlinale, in Rotterdam, Sarajevo, bei DOK Leipzig und bei Visions du Réel gezeigt wurden. Für seine Montagearbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Europäischen Filmpreis.
Rana Abu Fraiha-Asyag (Regisseurin & Drehbuchautorin)
Rana Abu Fraiha-Asyag ist Regisseurin, Drehbuchautorin und Editorin sowie die erste beduinische Filmemacherin Israels. Ihr Dokumentarfilm In Her Footsteps wurde international ausgezeichnet und weltweit gezeigt. 2019 wurde sie in die Liste "30 Under 30" von Forbes Israel aufgenommen. Sie setzt sich für die Förderung arabischer und beduinischer Kunst in Israel ein.
Die Jury des Wettbewerbs Dokumentarfilm wird während des Festivals den besten Film auszeichnen.
Das 32. JFBB kann das Publikum in den Berliner Kinos Filmkunst 66, Moviemento, Bundesplatz-Kino, und Kino Krokodil erleben sowie in Potsdam im Thalia–Programmkino und im Filmmuseum Potsdam. Ausgewählte Veranstaltungen gibt es an weiteren Orten in Berlin und Brandenburg.
Alle Informationen rund um das JFBB und das diesjährige Programm sind online abrufbar unter www.jfbb.info